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Ghostwriting ist keine Erfindung der Neuzeit

von Peter Constantin am 30.01.2012

In den letzten Monaten wurde das Thema Ghostwriting vor allem auch wegen diverser Plagiatsaffären in den Medien viel und oft diskutiert. Das erweckte bei vielen auch den Anschein, dass Ghostwriting etwas Neues, ja eine Erfindung unserer Zeit sei. Doch das stimmt nicht nur nicht, sondern es ist sogar das Gegenteil der. Ghostwritring, vor allem im akademischen Bereich, ist so alt wie die ganze Wissenschaft. Bereits vor 500 Jahren wurde Ghostwriter eingesetzt, um spezielle Texte zu verfassen. Speziell auch wissenschaftliche Texte. Das so genannte akademische Ghostwriting, das es auch heute noch gibt und das für darauf spezialisierte Ghostwriter ein lukratives Geschäft darstellt, wurde bereits in der frühen Neuzeit praktiziert. Der Grund dafür hat sich bis heute nicht geändert: Gelehrte und Spezialisten, werden in der Regel im Verhältnis zu ihrem Wissen und Können schlecht bezahlt. Durch Ghostwriting verdienten sie sich ein lukratives Zubrot. Studierte und Gelehrte hatten auch damals schon mit dem Problem zu kämpfen, dass sie aufgrund ihres geringen Einkommens und Vermögens oftmals ihre Forschungsergebnisse nicht veröffentlichen konnten. Ghostwriting war zum einen eine Möglichkeit, ihre Forschungen weiter zu betreiben und deren Resultat zu veröffentlichen und natürlich um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

Ähnlich wie sich auch heute gerade beim akademischen Ghostwriting noch verhält, kam es schon damals bei den Aristokraten und den Vermögenden in Mode, sich für wissenschaftliche Themen zu empfehlen und sich mit akademischen Titeln zu schmücken. Ghoswtriting war als der direkte Weg zum Titel. Für den, der es sich leisten konnte. Der gemeinsame Nennen der mittellosen Gelehrten und den „Reichen“ konnte also mittels Ghostwriting schnell gefunden werden. Er bestand darin, dass Gelehrte verschiedene Forschungsergebnisse nicht unter eigenem Namen, sondern unter dem Namen junger und vor allem reicher Zeitgenossen zu veröffentlichen. Die gut betuchten Familien honorierten das Ghostwriting fürstlich und betätigten sich auch als Geldgeber und Mäzene der Gelehrten. Bei den veröffentlichten Werken handelte es vornehmlich um Dissertationen. Den Begriff „Ghostwriting“ kannte man damals freilich noch nicht. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser Begriff erstmals erwähnt. Die thematischen Schwerpunkte der damaligen Zeit waren in Sachen Ghostwriting vor allem Facharbeiten aus dem Bereich Medizin und Naturwissenschaft.
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